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Welche Anschlussart ist die richtige? Ein Vergleich der gängigsten Leiterplattenanschlüsse

Paul-Martin Kamprath | Leitung Marketing | pk components GmbH
Oliver Elser | Field Application Engineer | pk components GmbH

Die Wahl der passenden Anschlussart auf der Leiterplatte beeinflusst Montagezeit, Servicefreundlichkeit und langfristige Zuverlässigkeit eines elektronischen Geräts. Je nach Branche – ob Industrieelektronik, Automatisierung, Gebäudeautomation oder Consumer-Anwendungen – unterscheiden sich die Anforderungen an Verdrahtung, Vibrationsfestigkeit, Platzverhältnisse und Kosten zum Teil erheblich. Gleichzeitig hat sich das Angebot an Leiterplattenanschlussklemmen und Wire-to-Board-Lösungen in den letzten Jahren stark weiterentwickelt: Push-in, Schraubanschluss, Federzugklemmen, Hebel-Push-in, Crimpkontakte oder IDC-Schneidklemmtechnik – jede Anschlussart bietet spezifische Stärken, aber auch Grenzen. Der folgende Überblick zeigt die gängigsten Anschlussarten für Leiterplatten, erläutert ihre Vor- und Nachteile und ordnet sie typischen Einsatzbereichen zu. Die Darstellung unterstützt Entwickler und Einkäufer dabei, die passende Anschlusstechnik für ihre Anwendung auszuwählen.

Push-in Anschluss

Der Push-in-Anschluss hat sich in den letzten Jahren als Standard in vielen industriellen Bereichen etabliert. Leiter – insbesondere starre Drähte oder solche mit Aderendhülse – werden direkt in die Klemmstelle gesteckt und durch eine Feder dauerhaft gehalten.

Vorteile

  • Sehr schnelle Verdrahtung
  • Werkzeugloser Anschluss bei starren Leitern und Aderendhülsen
  • Hohe Vibrations- und Zugfestigkeit durch Federkraft
  • Geringe Kontaktwiderstände
  • Wartungsfrei

Nachteile

  • Bei feindrähtigen Leitern meist nur mit Aderendhülse zuverlässig
  • Bei sehr kleinen Querschnitten etwas weniger komfortabel
  • Lösen des Leiters teils fester als bei Hebel-Varianten

Einsatzbereiche

  • Maschinenbau
  • Steuerungstechnik / Automatisierung
  • Gebäudetechnik
  • Serienfertigung mit kurzen Montagezyklen
  • Vibrationsbelastete Anwendungen

 

Unterschiedliche Beispiele für Leiterplattenklemmen mit Push-In-Anschlusstechnik (Phoenix Contact, PTR Hartmann)

Schraubanschluss

Die klassische Schraubklemme ist nach wie vor weit verbreitet und gilt in vielen Branchen als zuverlässiger Standard. Sie erlaubt einen flexiblen Anschluss verschiedenster Leiterarten, da beim Klemmprinzip die Schraube direkt auf den Leiter wirkt und ihn fest gegen die Kontaktfläche presst. Es existieren zudem Exzenter-Varianten, bei denen die Schraube nicht selbst klemmt, sondern einen Exzentermechanismus betätigt, der den Leiter kontrolliert und gleichmäßig andrückt.

Vorteile

  • Universell nutzbar für fast alle Leiterarten
  • Hohe Haltekraft
  • Tolerant gegenüber variierenden Leiterqualitäten
  • Weit verbreitet, Installateuren gut vertraut

Nachteile

  • Schrauben können sich durch Vibration oder Thermozellen lösen
  • Regelmäßiges Nachziehen notwendig
  • Höherer Montageaufwand
  • Risiko des Überdrehens

Ideale Einsatzbereiche

  • Traditioneller Maschinen- und Anlagenbau
  • Schaltschrankbau
  • Reparaturen und Nachrüstungen
  • Geräte, in denen unterschiedliche Leiterarten wechselnd verwendet werden

Unterschiedliche Beispiele für Leiterplattenklemmen mit Schraubanschluss (Phoenix Contact, PTR Hartmann)

Federzuganschluss (Spring Clamp / Cage Clamp)

Die Federzugtechnik ist eine bewährte Alternative zur Schraube und besonders in Anwendungen mit starken Vibrationen ein zuverlässiger Standard, da der Leiter durch eine vorgespannten Federkraft sicher gehalten wird. Beim Einführen drückt der Anwender den Betätigungshebel oder die Druckstelle nach unten, wodurch sich die Klemmfeder öffnet und der Leiter ohne großen Kraftaufwand in den Anschluss gleitet. Lässt man den Betätigungsmechanismus wieder los, legt sich die Feder mit konstantem Druck um den Leiter und erzeugt eine gasdichte, vibrationsfeste Verbindung ohne Nachziehen. Durch erneutes Betätigen der Druckstelle oder des Hebels wird die Feder entlastet, die Klemme öffnet sich, und der Leiter kann ohne Beschädigung entnommen werden.

Vorteile

  • Sehr hohe Vibrationssicherheit
  • Definierte, reproduzierbare Federkraft
  • Wartungsfrei (keine Schrauben, die sich lösen können)
  • Lange Lebensdauer

Nachteile

  • Werkzeug erforderlich zum Öffnen und ggf. auch beim Schließen
  • Montage etwas langsamer als Push-in
  • Bedienung bei engen Platzverhältnissen erschwert

Ideale Einsatzbereiche

  • Bahntechnik
  • Automotive
  • Vibrationsintensive Maschinen
  • Anwendungen mit langer Lebensdauer und geringem Wartungsbedarf

Unterschiedliche Beispiele für Leiterplattenklemmen mit Zugfeder-Anschlusstechnik (Phoenix Contact)

Hebel-Push-in

Der Hebel-Push-in vereint die Vorteile der Push-in-Technik mit maximaler Bedienerfreundlichkeit. Leitungen können komplett werkzeuglos angeschlossen und wieder gelöst werden. Dabei wird der Leiter nahezu kraftlos in die Klemmstelle eingeführt, da der geöffnete Hebel die Federmechanik entlastet. Wird der Hebel anschließend heruntergedrückt, verriegelt die Klemme automatisch und sorgt für einen dauerhaft sicheren, vibrationsfesten Kontakt – ohne zusätzliches Nachziehen oder Werkzeug. Mit dem Lösen des Hebels kann der Leiter einfach wieder aus der Klemme herausgenommen werden.

Vorteile

  • Vollständig werkzeuglose Bedienung
  • Kombination aus schnellem Push-in und komfortablem Lösen
  • Sehr gute Vibrationsfestigkeit
  • Optimal für häufige Steckzyklen

Nachteile

  • Etwas größer als klassische Push-in-Klemmen
  • Höherer Preis
  • Noch nicht in allen Rastermaßen und Querschnitten erhältlich

Ideale Einsatzbereiche

  • Gebäudetechnik / Smart Building
  • Installationsgehäuse
  • Kleinserien mit Fokus auf Bedienkomfort
  • Anwendungen mit häufigem An- und Abklemmen

Unterschiedliche Beispiele für Leiterplattenklemmen mit Zugfeder-Anschlusstechnik (Phoenix Contact)

Crimpanschluss

Crimpverbindungen sind ein zentraler Standard im Wire-to-Board-Bereich. Kontakt und Leiter werden kalt verpresst – eine dauerhaft stabile, korrosionsarme Verbindung. Beim Crimpen umschließt der Kontakt den abisolierten Leiter in einer definierten Geometrie und wird mit hoher Kraft verformt. Dadurch entstehen form- und kraftschlüssige Übergänge, bei denen die Einzeldrähte dicht gepackt werden und mikroskopisch kleine Materialverzahnung entsteht. Die Verbindung kommt ohne Lötwärme aus, minimiert Übergangswiderstände und gewährleistet eine reproduzierbare elektrische und mechanische Performance – selbst unter Vibration, Temperaturschwankungen und hohen Steckzyklen.

Vorteile

  • Sehr hohe elektrische und mechanische Zuverlässigkeit
  • Gut automatisierbar (Crimpautomaten)
  • Niedriger Übergangswiderstand
  • Große Auswahl an Gehäusen und Rastermaßen
  • Perfekt für Serienfertigung

Nachteile

  • Benötigt Crimpwerkzeuge
  • Fehleranfällig, wenn schlecht ausgeführt
  • Nicht ideal für den Feldeinsatz
  • Mehrteilige Komponenten (Kontakt + Gehäuse)

Ideale Einsatzbereiche

  • Kabelbäume
  • Consumer Electronics
  • Automotive
  • Embedded Systems
  • Kompakte Mehrpol-Steckverbinder

Unterschiedliche Beispiele für Leiterplattenklemmen mit Crimp-Anschlusstechnik (Phoenix Contact)

IDC / Schneidklemmanschluss

Der Schneidklemmanschluss (IDC, Insulation Displacement Connection) ist optimal für Flachbandkabel oder Anwendungen mit vielen Kontakten, die gleichzeitig gesetzt werden müssen. IDC ist optimal für Flachbandkabel oder Anwendungen mit vielen Kontakten, die gleichzeitig gesetzt werden müssen, da beim Klemmprinzip die scharfen Gabelkontakte die Kabelisolierung kontrolliert einschneiden und sich formschlüssig um den Kupferleiter legen, sodass eine zuverlässige, gasdichte elektrische Verbindung entsteht – ganz ohne Abisolieren oder Löten.

Vorteile

  • Sehr schnelle Montage (viele Adern gleichzeitig)
  • Kein Abisolieren nötig
  • Gut für Serienfertigung
  • Kostengünstige Steckverbinder

Nachteile

  • Nur für bestimmte Leiterarten geeignet
  • Geringere Vibrationsfestigkeit
  • Begrenzte Querschnitte
  • Fehleranfällig bei falschem Werkzeug

Ideale Einsatzbereiche

  • SPS- und Busleitungssysteme
  • Flachbandkabel in Industrie- und Computertechnik
  • Geräteinterne Verbindungen
  • Kostenkritische Serienproduktionen

Unterschiedliche Beispiele für Leiterplattenklemmen mit Schneid-Klemm-Anschlusstechnik (Phoenix Contact)

Anschlussart Schnelligkeit Montage Werkzeuglos Vibrationssicherheit Wartungsfreiheit Anwendungen Preisniveau
Push-in ⭐⭐⭐⭐ ja ⭐⭐⭐⭐ ja Industrie 4.0, Maschinenbau, Schaltschrank, Sensorik ⭐⭐
Schraubanschluss ⭐⭐ nein ⭐⭐ nein Klassische Industrie, Reparatur, flexible Leiter, Schaltschrankbau ⭐⭐
Federzug ⭐⭐⭐ nein ⭐⭐⭐⭐ ja Vibration, Bahn, langlebige Geräte ⭐⭐⭐
Hebel-Push-In ⭐⭐⭐⭐ ja ⭐⭐⭐⭐ ja Gebäudetechnik, häufiges Umklemmen ⭐⭐⭐⭐
Crimpanschluss ⭐⭐⭐⭐ nein ⭐⭐⭐⭐ ja Serienverkabelung, Consumer, Automotive, Kabelbäume ⭐⭐
IDC/Schneidklemm ⭐⭐⭐⭐⭐ ja ⭐⭐ ja Flachbandkabel, viele Pole, SPS/Legacy-Systeme


Die unterschiedlichen Anschlussarten im kompakten und direkten Vergleich

Die Wahl der passenden Anschlussart ist immer eine Frage der Anwendung: Push-in eignet sich hervorragend für schnelle Montage in Industrieumgebungen, Federzug für vibrationsbelastete Anwendungen, Schraubanschlüsse bleiben flexibel und universell. Hebel-Push-in bietet maximalen Bedienkomfort, während Crimp und IDC insbesondere in der Serienfertigung punkten.

Wer schon in der Entwicklungsphase die richtige Anschlusstechnik auswählt, spart später nicht nur Montage- und Servicekosten, sondern verbessert auch die Lebensdauer und Zuverlässigkeit des gesamten Systems.

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